Mit Asbestfilter zu klarem Wein

Theo Seitz hat mit 23 Jahren einen Weinhandel betrieben, nachdem er mit dem Kolonialwarengeschäft, welches er von seinem Vater geerbt hat, gescheitert ist. Das Geschäft mit dem Wein lief aber nicht zufriedenstellend, die Reklamationen aus Übersee wiesen Trübungen auf, obwohl die eingelagerten Weine glasklar blieben.

Ursache der Trübung war die Filterung mit dem Sack. Die einzige Filtermethode am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Filter hat zwar Trübstoffe zurückgehalten, bildete aber einen idealen Nährboden für Mikroorganismen. Die Folge war zunächst ein klarer Wein, der nach kurzer Zeit trüb wurde.

Friederich Seitz sucht nach Lösungen und experimentierte lange mit unterschiedlichen Materialien. Schliesslich stösst er auf Asbest. Er vermischt Asbest mit den trüben Wein, schüttet alles in den Experimentierfilter, ein einfach kegelartiges Sieb aus Drahtgeflecht mit einer Einlage aus Tüllgewebe. Asbest liess den Wein kristallklar abfliessen. Dabei büsste der Wein weder an Farbe noch an Bukett ein.

Die Weinhandlung begann nachdem das Verfahren verfeinert war richtig zu florieren. 1891 beginnen nun die Gebrüder Seitz mit der Fabrikation von Filtermaterialien und konstruierten entsprechende Filteranlagen. 1894 empfiehlt Julius Nessler, damals ein führender Agromechaniker und Weinexperte, auf dem Weinbaukongress in Mainz, die Filteranlage (das Apparätle) für geringe Mengen. Dies kam einer Heiligsprechung gleich.

 

Wenn in der Fachwelt ein Name nicht mehr wegzudenken ist, dann es «Seitz». In nur fünf Jahren wurden 8'000 Filter verkauft. Die Filterpressen wurden für die Anschwemmfiltration mit Asbest umgerüstet. So konnten nun ganze Fässer filtriert werden.  

Die Firma diversifiziert und entwickelt neben Filteranlagen bald auch weitere Kellereigeräte. Die Weinproduktion wurde nur noch in Mengen für das eigene Labor betrieben. Der Weinhandel selbst gänzlich eingestellt. Inzwischen arbeiten 100 Mitarbeiter im Unternehmen. 1910 präsentierte das Unternhemen den «Riesenfilter», der zur Filterung von bis zu 60'000 Liter ausgelegt ist.  

1910 verzeichnete die Firma Seitz weltweit 40'000 Kunden. Als es räumlich eng wurde, haben die Gebrüder Seitz ein 26 Hektar grosses Grundstück erworben und liessen die repräsentativen Bauten der Seitz Werke entstehen.

Der Name Seitz ist jetzt in der Fachwelt im In- und Ausland nicht mehr wegzudenken. Innerhalb von nur fünf Jahren sind 8.000 Filter verkauft. Mit einer für die Anschwemmfiltration mit Asbest umgerüsteten Weinfilterpresse kann nun auch ein ganzes Fass filtriert werden. 1898 zieht das Unternehmen in größere Räumlichkeiten. Die Apparate werden jetzt komplett in Eigenregie gefertigt, und das Weinkommissionsgeschäft wird aufgelöst, die angeschlossene Kellerei jedoch zu Versuchszwecken weiterbetrieben. Die Belegschaft wächst auf 100 Mitarbeiter an. 1901 wird der „Riesenfilter“ präsentiert, der für beeindruckende Leistungen von bis zu 60.000 Liter pro Tag aus­gelegt ist.